Ferhat Bouda, Film and Media Arts, 2020

*1976 in Algerien, lebt in Frankfurt a. M.

Ferhat Bouda kam 1976 in Algerien (Kabylei) zur Welt und lebt seit 2005 als freier Fotograf in Frankfurt am Main. Die Kabylen sind Angehörige verschiedener Berberstämme mit einheitlicher Sprache. Sein Aufwachsen in der Bergregion bringt ihn schon früh mit der Kulturbewegung der Berber in Berührung, als Jugendlicher engagiert er sich für die Anerkennung seiner Muttersprache (Kabylisch). Als Erwachsener verlässt er schließlich sein Land mit dem Ziel, in Frankreich Film zu studieren, „damit meine Großmutter eines Tages Filme in ihrer eigenen Sprache sehen kann“. Der Zufall spielt ihm jedoch eine Fotokamera in die Hände und er fängt an, sich für die Dokumentarfotografie zu begeistern. Er beginnt ein Fotografie-Studium in Paris.

In seiner Heimat widmet er sich einem lange geplanten fotografischen Projekt über das Leben der Berber und der Nomadenvölker und bereist sämtliche Länder in Nordafrika und in der Sahelzone. Was ihn bewegt, sind die Menschen und die Vielfalt der Kulturen, in der diese Völker leben. Boudas Arbeiten wurden u. a. beim Fotofestival Visa pour L’Image in Perpignan (Frankreich) und in der Galerie SCAM in Paris ausgestellt. Er ist Stipendiat des französischen Boulat-Preises und der Hessischen Kulturstiftung. Als Mitglied der Agentur VU‘ Paris werden seine Arbeiten in zahlreichen Magazinen und Zeitungen veröffentlicht.

 

www.bouda-photographie.com

Ellen-Auerbach-Stipendium

What Matters

Werkpräsentation 2022

„What Matters“ – „Was zählt“ war die Frage und zugleich Statement der Werkpräsentation 2022 der JUNGEN AKADEMIE, dem interdisziplinären und internationalen Artist-in-Residence-Programm der Akademie der Künste. In einer Ausstellung und einem vielfältigen Programm mit Screenings, Konzerten und Lesungen präsentierten 29 Stipendiat*innen aller Kunstsektionen der Akademie Sound- und Videoinstallationen, Fotografien, Skulpturen, Gemälde und Performances, die sie während ihrer Atelieraufenthalte im Hansaviertel in Berlin und der Villa Serpentara in Olevano, Italien entwickelt haben.

„What Matters“ ist nicht als Titel einer thematischen Ausstellung zu verstehen, sondern verweist auf die Vielfalt von Fragestellungen, Perspektiven und Realitäten, die sich in einer Künstler*innenresidenz verflechten und betont ihre Dringlichkeit. Die Ausstellung stellte die individuellen Ansätze der Künstler*innen in den Fokus, die um ein breites Themenspektrum kreisen: von Fragen zur Transformation von Gesellschaften und deren Ausdruck im Verhältnis von urbanem Raum und Landschaft über die Wechselbeziehung von Individuum und gesellschaftlichen Systemen wie Staat, Religion und Ökonomie bis hin zu Reflektionen über Körper- und Geschichtsbilder, persönliche Archive und das Ineinandergreifen von Natur, Technologie und Kultur.

Was zählt, sind künstlerische Zeug*innenschaft, poetischer Widerstand und das Imaginieren nachhaltiger Zukünfte im Angesicht globaler Kippmomente – ob klimatischer oder politischer Natur. Nach zwei Jahren Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen war „What Matters“ die bisher umfangreichste Werkpräsentation der JUNGEN AKADEMIE.

In den Worten eines Stipendiaten: „What matters? Make them see…”

La Poussière de Mao (2021)

Fotografien

Der Fotograf Ferhat Bouda berichtet mit seinen Bildern über die Lebensverhältnisse der Menschen aus der Region Kane im Tschad, die zunehmend unter den klimatischen Veränderungen leiden. Die Probleme sind vielfältig: zunehmende Dürre, das Vordringen der Wüste, Schwierigkeiten beim landwirtschaftlichen Anbau und der beschwerliche Zugang zu Wasser. Diesen neuen Herausforderungen begegnen die Menschen auf ganz vielfältige Art und Weise. Um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Hunger in der Welt zu bezeugen, entstanden die Bilder im Rahmen des Projekts „Dust – Climate Change“ in Zusammenarbeit mit der französischen Hilfsorganisation „Action contre la Faim“.

Die Einzelausstellung „Ferhat Bouda. Photographs and Diaries“ im Fotografie Forum Frankfurt im März-Mai 2022 wurde vom Ellen-Auerbach-Stipendium der JUNGEN AKADEMIE gefördert.